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Kursnummer : 604/15

Fachtag Inklusion



Lehrkräfte an Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen, Lehrkräfte aus Gruppen- und Einzelunterricht, Schulmusiker sowie Interessierte
Dozent/innen:
Stella Nyarko
Katrin Wanke-Greiner
Dr. Katharina Bradler
Prof. Dr. Birgit Jank
Franziska Pfaff
Ginette Mühlmann
Prof. Dr. Elke Josties
Termin: 06.06.2015
Ort: Räume der Landesmusikakademie Berlin
Gebühr 39,50 Euro  (ermäßigt: 12,00 Euro)
Verwaltungskostenpauschale für Lehrkräfte an Berliner Bezirksmusikschulen (nur mit Nachweis)
Anmeldeschluss 22.05.2015
Kurszeiten 06.06.2015  10:00 - 17:00
Inklusion bedeutet für Lehrkräfte an Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen, sich konsequent anderen Zielgruppen als den bisher gewohnten zu öffnen und eine größere Heterogenität in Gruppen zu meistern. Wie kann dieser Prozess vor allem in Hinsicht auf körperlich oder geistig beeinträchtigte Musizierende gelingen? Der Fachtag gibt Impulse für Praxis und Theorie, für Konzerte, Gruppen- und Einzelunterricht.

Die Einschreibung in die Wahl-Kurse beginnt 9:30 Uhr.
Bitte bringen Sie Ihr Instrument mit für den Workshop bei Dr. Bradler!

Dozenten und Themen:

Plenum 10:00 - 11:15
Prof. Dr. Elke Josties, ASH Berlin
Kritische Reflexion inklusiver außerschulischer musikalischer Bildungspraxis - Plädoyer für Spiel- und Experimentierräume für Musik von und mit Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen

In diesem Vortrag werden die Herausforderungen einer kritischen Inklusionsperspektive an die Praxis der musikalischen bzw. kulturellen Bildung thematisiert.
Ausgehend von dem Beispiel einer musikalischen Bildungsbiografie einer Jugendlichen werden u.a. folgende Fragen diskutiert: Warum gelten Menschen mit Beeinträchtigung, die an musikalischer Bildung interessiert sind, als „Musiktherapie“-bedürftig? Warum fällt es Musikschullehr_innen so schwer, mit Menschen mit Beeinträchtigungen zu arbeiten? Wie wird mit Musikinteressen und -Praxen von Menschen mit Beeinträchtigung umgegangen, die normativen Qualitätsansprüchen nicht genügen? Warum erfahren Musiker_innen mit Beeinträchtigung, die in „inklusiven“ musikalischen Werkstattprojekten arbeiten, keine Anerkennung wie professionelle Künstler_innen? Anhand unterschiedlicher Projektbeispiele der musikalischen Bildung wird kritisch hinterfragt: Warum finden Ensemblespiel und Aufführungen von Musik von und mit Menschen mit Beeinträchtigung vorwiegend in „behüteten Nischen“ und „exklusiven Situationen“ ihren Raum? Warum werden auch erfolgreiche Musiker_innen immer wieder als Menschen mit Beeinträchtigung etikettiert oder etikettieren sich selbst so? Am Beispiel der vielfältigen Kulturszene schwer und nicht-hörender Menschen wird perspektivisch nach den Ressourcen statt nach Defiziten von Menschen mit „Beeinträchtigung“ gefragt: Welche Potentiale birgt die Gebärdensprache für musikalisch-künstlerische Schöpfung, aber auch die politische Selbstbehauptung von schwer und nicht hörenden Menschen? Und wie können Hörende von der DGS profitieren bzw. inspiriert werden – auf der Wahrnehmungs- und Kommunikationsebene, im Tanz und in der Musik?
Mit diesem Vortrag soll dazu angeregt werden, (vermeintlich) inklusive Konzeptionen und Prozesse der Praxis der musikalischen bzw. kulturellen Bildung kritisch zu reflektieren.

Wahlkurs 11:30 - 13:00
Dr. Katharina Bradler, Udk Berlin
Vielfältig lernen – Vielfältig musizieren
Zum Umgang mit heterogenen Gruppen im Musizierunterricht

Wie können Lehrende Schülerinnen und Schüler einer Musiziergruppe individuell fördern? Wie ist der Anspruch zu halten, im Unterricht künstlerisch zu arbeiten und instrumentalen Fortschritt zu gewährleisten, wenn Lernende unterschiedlichste Voraussetzungen mitbringen? Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich der Workshop "Vielfältig Lernen – Vielfältig musizieren". Es werden Möglichkeiten präsentiert, Heterogenität zu erkennen, anzunehmen und mit ihr produktiv umzugehen. Wege der Binnendifferenzierung und Formen des kooperativen Lehrens und Lernens werden vorgestellt und praktisch erprobt. Neben differenzierten Lernwegen werden auch vielfältige Umgangsweisen mit Musik aufgezeigt. Diese zu kennen und zu schulen heißt, individuelle künstlerische Fähigkeiten aufzubauen, die über einen eindimensionalen Fokus auf Spieltechnik hinausgehen.
Bitte bringen Sie Ihr Instrument mit!


Wahlkurs 11:30 - 13:00
Katrin Wanke-Greiner, Berlin
Praxishilfen für einen inklusiven Musikunterricht aus musiktherapeutischer Sicht

Wie können wir Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen sinnstiftend in den Musikunterricht einbeziehen? Welche Interaktions- und Spielformen sind besonders geeignet, um ihnen die Teilhabe zu ermöglichen? In diesem Workshop sollen Arbeitsweisen aus der Musiktherapie vorgestellt und erprobt werden, die dabei helfen können, musikpädagogische Angebote "inklusiv" zu gestalten.

MITTAGSPAUSE 13:00 - 14:00

Wahlkurs 14:00 - 15:15
Franziska Pfaff, Musikschule Carl-Orff, Rostock
Unmöglich? Instrumentalunterricht mit "besonderen" Schülern

Eine instrumentale Ausbildung wird oft mit vielen Erwartungshaltungen verknüpft. Und ebenso oft werden Bedingungen gestellt an vorhandene Fähigkeiten und Begabungen, die als Ausgangsbasis unabdingbar scheinen. Was bedeutet Instrumentalunterricht mit Menschen, deren Vorraussetzungen nicht den Normen entsprechen? Wie kann er gestaltet werden und wo liegen die Grenzen zur Musiktherapie? Empathie, Kreativität und Offenheit werden dem Pädagogen nicht nur abverlangt, sondern auch entgegengebracht. Eine gewinnbringende Erfahrung für beide Seiten.

Wahlkurs 14:00 - 15:15
Ginette Mühlmann, Musikschule Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin
Mehr Freude am Musikunterricht für Schüler mit Autismus

Menschen mit Autismus fallen oft durch ihren ungewöhnlichen Kommunikations- und Interaktionsstil auf. Warum ist das so und was bedeutet Autismus? Darum soll es in diesem Seminar gehen. Die Teilnehmer bekommen methodische Handreichungen, mit denen sie gezielt den Unterrichtsprozess positiv beeinflussen können. Beispiele aus dem Alltag der Teilnehmer (Einzel- oder Gruppenunterricht) sind willkommen.

Wahlkurs 14:00 - 15:15
Prof. Dr. Birgit Jank, Universität Potsdam
Inklusion in Schule und Musikschule - Bestandsaufnahme und Perspektive

Die Einführung und Umsetzung von inklusiven Strukturen und heterogenen Denkweisen hat im Land Brandenburg in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen. An der Universität Potsdam wurden neue Lehramtsstudiengänge u.a. für das Fach Musik entwickelt, die hier auf die neuen Anforderungen Bezug nehmen. Insbesondere am Lehrstuhl Musikpädagogik und Musikdidaktik (Prof. Dr. Birgit Jank) hat man sich mit diesen Schwerpunkten auseinandergesetzt und wissenschaftliche Studien (z.B. eine Promotion zur Arbeit mit chronisch kranken Kindern an Musikschulen oder Bachelor- und Masterarbeiten zu Umsetzungsdimensionen von Inklusion in der Schule) sowie praktische Inklusionsprojekte (u.a.in Kooperation mit dem Ramba-Zamba-Theater Berlin Kulturbrauerei und mit brandenburger Schulen) durchgeführt. In Berlin wurden Kooperationsprojekte zwischen Grundschulen und Musikschulen zum Bereich Sprachförderung mit Musik wissenschaftlich begleitet und in die Ausbildung von Musiklehrkräften mit einbezogen. Die Veranstaltung wird versuchen, hier die wesentlichen Ergebnisse aber auch perspektivische Notwendigkeiten zusammenzufassen und zur Diskussion zu stellen.

Plenum 15:30 -16:30
Stella Nyarko, Detmold „Das klingende Licht“ – ein inklusives und interaktives Konzertprojekt der Lebenshilfe Detmold in Kooperation mit Studierenden der Hochschule für Musik Detmold Wie kann ein inklusives Konzertprogramm aussehen? Wie werden Menschen mit und ohne Behinderung, MusikstudentInnen, Profi-Musiker sowie Konzertbesucher gemeinsam musikalisch gestaltend aktiv? Hinter dem Programmtitel „Das klingende Licht“ steht die Konzeption und Umsetzung eines inklusiven und interaktiven Konzertprogramms der Lebenshilfe Detmold e.V. in Kooperation mit dem Studiengang Elementare Musikpädagogik (EMP) der HfM Detmold. Schwerpunkt war dabei die regelmäßige Arbeit von Studierenden mit einer 13-köpfigen Musikgruppe der Lebenshilfe. Gemeinsam mit studentischen und professionellen Ensembles brachte die Gruppe beim Konzert im April 2013 zwei musikalische Bühnenstücke zur Aufführung. Ein vielfältiges musikalisches Programm, Grenzauflösungen und ein aktives Erleben für die Konzertbesucher – „Das klingende Licht“ erzählt die Geschichte einer farblosen Welt, die mit jedem Ensemble und mit jedem neu erklingenden Musikstück immer bunter wird. Im Verlauf des Konzertes wachsen die einzelnen Beteiligten und unterschiedlichen Gruppen zu einer facettenreichen Gemeinschaft zusammen. Neben der Vorstellung des Projekts und der Programmkonzeption soll u.a. diskutiert werden, worin Chancen und auch Grenzen eines solchen Projekts liegen und was allgemeine, typische und besondere Herausforderungen sind.

Plenum 16:30 - 17:00
Ausblick und Verabschiedung


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