Vom Therapieansatz zur Nachbarschaftspraxis: Community Music zwischen Gesundheit, Kultur und Stadtentwicklung
Musikalische Schnittstellen: Community Music und Musiktherapie im gesellschaftlichen Wandel
Volker Bernius
Community Music (CM) und Musiktherapie teilen Methoden, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Während CM partizipative Musikprozesse in Gemeinschaften fördert, zielt Musiktherapie auf individuelle Heilung ab. Doch wie können beide Professionen voneinander lernen? Die wachsende Professionalisierung von CM wirft Fragen auf: Wann sind Kooperationen mit Musiktherapeut:innen sinnvoll? Und wie lassen sich Grenzen und Potenziale erkennen – besonders vor dem Hintergrund der EU-Strategien Mental Health und Culture and Health?
Der aktuelle EU-Arbeitsbericht „Culture and Health – Time to act“ betont die Vernetzung von Kultur- und Gesundheitspolitik. Der Deutsche Musikrat fordert in seiner Resolution von Oktober 2024 eine nationale Strategie zu „Kultur, Musik und Gesundheit“ und hebt dabei auch CM und Musiktherapie hervor. Der Impuls stellt nicht nur europäischen Strategien vor, sondern zeigt vor allem auch praxisnahe Perspektiven auf: Wie gelingen Kooperationen, die beide Felder bereichern? Es geht um Bewusstseinsbildung – für eine Gesellschaft, die Musik als Brücke zwischen Kultur und Gesundheit begreift.
Community Music Therapy und Stadtentwicklung
Sabine Antony
Sabine Antony ist Musiktherapeutin und im Bereich Stadtentwicklung seit 1994 im Bezirk Marzahn-Hellersdorf von Berlin für ein soziales und gesundheits-förderliches Lebensumfeld engagiert. Beide Bereiche verknüpft hat sie in ihrer Veröffentlichung "Community Music Therapy" (2020), die die Grundlage für ihren Impuls sein wird.
Community Music in Wohnungsbaugenossenschaften (WBGs)
Carsten Röding (Vorstand Charlottenburger Baugenossenschaft) für den Landesmusikrat Berlin
WBGs sind geborene Communities!
Mit Einblicken in Entstehungsgeschichte, Anzahl von Bewohner:innen in Genossenschaften in Berlin, den räumlichen Potenzialen für künstlerisch–musikalische Aktivitäten sowie den sozialen Errungenschaften, der Nennung von Best-Practice Beispielen und den Herausforderungen für Community Music in WBGs wird ein Schlaglicht in diese Form musikalischer Aktivität geworfen.
Prinzipien und Ansätze der Umsetzung von CM in WBGs lassen sich im weiteren möglicherweise auch auf Projekte in kommunalen Wohnungsbaugesellschaften übertragen und so zu besserer Nachbarschaft und sozialem Frieden führen.
Auskunft wird eine Person aus dem Umfeld des Genossenschaftsforum Berlin geben, bei den späteren Thementischen besteht die Gelegenheit zu weiterem vertieften Austausch.
13:30 – 15:00 Uhr
Ort: Raum 354
Host: Fatemeh Dehghani
Räume für alle? Community Music zwischen Würde, Schutz und kultureller Selbstbestimmung
Community Music als schamsensible und würdeorientierte Musikpraxis Lukas Macher
Scham ist eine äußerst mächtige, dabei aber auch "tabuisierte Emotion" (Stephan Marks), deren Auftreten und Auswirkungen einem in der Arbeit mit Menschen im Allgemeinen - und mir in meiner Praxis als Community Musician im Besonderen - ständig begegnet. Ein sensibler und informierter Umgang mit Scham und deren Quellen hilft dabei, Community Music als eine inklusive, menschenfreundliche, empowernde und antidiskriminatorische Musikpraxis zu betreiben. Ausgehend von Stephan Marks' viergliedrigem Scham-Modell möchte ich skizzieren, wodurch Schamgefühle ausgelöst werden können und welche fundamentalen menschlichen Bedürfnisse dadurch verletzt werden. Mit Blick auf meine eigene Praxis als Community Musician zeige ich konkrete Möglichkeiten auf, diese Bedürfnisse im Kontext z.B. eines Musikworkshops zu erfüllen und dadurch der Entstehung von Scham und Beschämung aktiv entgegenzuwirken.
ZusammenKlang – Musikalische Begegnungen für Frauen, mit oder ohne Kinder Zoë Gordon
Alma Tedde und Zoë Gordon sind zwei in der Schweiz tätige Community-Musikerinnen, die seit 2026 ein Community-Music-Projekt für Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung in einer Kollektivunterkunft in Grosshöchstetten (CH) durchführen. Die musikalischen Treffen finden im zweiwöchigen Rhythmus statt und bieten einen geschützten Raum, in dem Frauen – gemeinsam mit ihren Kindern – durch Singen, Musizieren, Bewegen und Tanzen Selbstwirksamkeit, Gemeinschaft und Freude erleben können. Im Zentrum steht das Empowerment der Teilnehmerinnen: Jede Stimme wird gehört, jeder Beitrag ist wertvoll.
Beyond Inclusion: Rethinking Cultural Equity in Community Music Alan Ibrahim In englischer Sprache.
From Participation to Cultural Agency: Reflections from Kurdish Community Music Practice in Berlin.
Community Music is strongly associated with inclusion, participation and social change. But equal access does not necessarily create cultural equity. This presentation asks what happens when communities facing structural marginalization need more than an invitation to participate in existing cultural structures.
Drawing on experiences from Kurdish Community Music projects in Berlin, the presentation explores the gap between the ambitions of Community Music and the realities of practice, including funding structures, institutional conditions and the challenges faced by practitioners and community-led organizations. It reflects on how Community Music can move beyond inclusion toward cultural agency, equity and self-determination, enabling communities not only to participate, but to shape their own cultural spaces and futures.